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Ampel-Kennzeichnung von Lebensmitteln

Donnerstag, 4. Juni 2009

Verbraucher in Deutschland können die umstrittene Ampel-Kennzeichnung von Lebensmitteln im Sommer erstmals beim Einkauf im Supermarkt testen. Die Ernährungsindustrie lehnt das Ampelsystem bislang ab.

Erstmals führt ein deutscher Hersteller die Ampel-Kennzeichnung bei Lebensmitteln ein. Der Tiefkühlproduzent Frosta wird von August an bei seinen vier umsatzstärksten Produkten mit Farben darüber informieren, welcher Anteil Zucker, Fett, Fettsäuren und Salz enthalten ist. Verbraucherschützer begrüßen den Vorstoß, der Branchenverband lehnt das Ampelsystem allerdings weiter ab. Die Politik ist weiter uneins.

Umfragen belegten, dass die Bundesbürger eine einfache Kennzeichnung von Lebensmitteln wünschten, sagt Frosta-Vorstand Felix Ahlers. Sein Unternehmen wolle mit der besseren Kennzeichnung ein Zeichen setzen und hoffe, dass andere Anbieter nachziehen. Es sei überfällig, dass die Politik in Berlin und Brüssel einheitliche, verpflichtende Regeln schaffe. Die Lebensmittelindustrie kämpft seit Jahren massiv gegen eine verpflichtende Ampelkennzeichnung, wie sie Verbraucherschützer fordern. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen Foodwatch und der AOK-Bundesverband forderten die Bundesregierung und die EU erneut auf, die Ampel zum Gesetz zu machen. Foodwatch-Chef Thilo Bode lobte den Vorstoß von Frosta als wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Volkskrankheit Übergewicht.

Die Politik ist wegen der Ampelkennzeichnung zerstritten. Der frühere Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) schob das Thema auf die lange Bank, obwohl das Bundesinstitut für Risikobewertung die Einführung befürwortet und auch Umfragen des Ministeriums belegten, dass 80 Prozent der Deutschen eine einfache farbliche Kennzeichnung wünschen. Seehofers Nachfolgerin Ilse Aigner hat in dieser Sache bisher ebenfalls kein großes Engagement gezeigt.

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), die Spitzenorganisation der Branche, hält die Ampel für „keine gute und hilfreiche Information. Man sei für eine „sachliche und objektive Nährwertinformation“. Die willkürliche Bewertung durch Markierungen in rot, gelb und grün lehne man ab.

In Großbritannien haben mehrere Anbieter das System bisher eingeführt. Ein Einfluss auf Kauf- und Ernährungsverhalten sei „nicht ersichtlich“, so der BLL. Diesen Aussagen widersprechen Verbraucherschützer: „Britische Studien zeigten, dass Verbraucher das Ampelsystem nutzen und verstehen.“ Die Kennzeichnung sei das beste System, auf einen Blick kenntlich zu machen, wie viel Fett, Zucker oder Salz in Lebensmitteln enthalten ist. In vielen Fällen täuschten die Hersteller bisher durch die Aufmachung und Etikettierung der Produkte über deren tatsächlichen Inhalt hinweg.